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The Hippie trail

 
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Einleitung

- _1. Die Flucht
- _2. Tor zu Asien
- _3. Persien
- _4. Afghanistan
- _5. Pakistan
- _6. Indien
- _7. Nepal
- _8. Zurück nach Europa
8. Zurück nach Europa

Jaipur - Quetta - Teheran - Istanbul - Athen - Brindisi

 
Jaipur

Nach 7 Monaten auf dem "Dach der Welt" befand ich mich wieder im Indischen Flachland. In Gorakhpur lief ich auf dem Weg vom Busbahnhof zur Eisenbahn-Station an der sogenannten Tourist-Information vorbei. Dem Betrüger warf ich einige böse Blicke zu und dieser lachte mich nur aus. Eine Reservierung war hier nicht kurzfristig möglich und ich machte mich auf das Schlimmste gefasst. Der Zug nach Delhi hatte 3 Stunden Verspätung. Dass das die Regel war erfuhr ich erst etwas später. Im überfülltem Zug suchte ich nach einem Platz und erblickte dann einen Brahmanen, der auf der Bank liegend drei Sitzplätze belegte. Das erboste mich sehr und ich forderte ihn auf Platz zu machen. Da ich kein Hindu war hatte ich mit dieser menschenunwürdigen Rangordnung nichts zu tun. Und zum Erstaunen der Mitreisenden erhob er sich und machte mir und einer Mutter mit ihrem Baby Platz. Das sorgte für einiges unterdrücktes Gelächter und ich erntete sehr viel Respekt dafür.

Im Tourist-Camp in Delhi lernte ich Giuliano und Anna aus Rom kennen, die am nächsten Morgen zurück nach Italien flogen. Sie hinterliessen mir ihre Adresse, falls es mich auf meiner ungewissen Reise dorthin verschlagen sollte. Ich nahm am nächsten Morgen einen Bus nach Jaipur, um dort ein paar Edelsteine und Silberwaren zu kaufen. Die Stadt kannte ich schon von meinem Weg nach und zurück von Pushkar. Hatte es aber damals aufgrund meiner Fracht etwas eilig.

Der Bus erreichte Jaipur mitten in der Nacht. So gegen 3 Uhr. Müde lief ich durch die schlafende „Pink City“ mit seinen rosaroten Gebäuden und steuerte auf eine der wenigen Lichter zu. Es war ein 'Sweet Shop' und Treffpunkt von Nachtschwärmern. Hier gab es eine riesige Auswahl von Süßigkeiten des gesamten Subkontinents. Ich labte mich an Gulap Jamun. Das sind frittierte 2 cm grosse Bällchen aus Milch, Mehl und Kardamom, die in einem warmen Syrup aus Zucker und Rosenwasser serviert werden. Nach einem Hotel fragend verwies man mich auf die nächste Tür und wurde gewahr, dass der Laden Teil eines großen Hotels der gehobenen Kategorie war. Wissend dass das keine billige Übernachtung sein würde ging trotzdem hinein. Einerseits wollte ich nur noch schlafen und anderseits wollte ich auch nicht zeigen, dass ich mir das LBM-Hotel garnicht leisten konnte. Es kostete mich einige hundert Rupees. Während eines Bollywood-Films auf dem grossen Fernseher schlief ich im komfortabelsten und teuersten Bett meiner Indienreise ein.
 
 

 
 
 

Jaipur - Victory Tower
Foto von Peter Engelhardt


Das LMB lag im Johari Basar. Hier drehte sich alles um Schmuck und Edelsteine. Auf den Straßen verkauften fliegende Händler billige Steine von geringer Qualität, deren Echtheit manchmal angezweifelt werden durfte. Ich durchstöberte einige der unzähligen Läden und schloss dabei Freundschaft mit einem Ladenbesitzer. Nachdem ich mich im Evergreen Guest House einquatiert hatte zeigte mir Ram die Schleifereien am Stadtrand. Die Rohlinge wurden überwiegend von Kindern an mit den Füßen in Bewegung gehaltenen Schleifsteinen bearbeitet, welche meistens die kleinsten Steine schliffen. In einem dieser Werkstätten vollendete der Chef gerade einen 20cm hohen Schädel aus Bergkristall. Den hätte ich gerne mitgenommen, aber der Preis und das Gewicht ließen es nicht zu. Er dürfte ca. 10 kg gewogen haben.

In den folgenden Tagen verbrachte ich etliche Stunden in seinem Laden. Er war ein Autodidakt und hatte nie eine Schule besucht. Lesen und Schreiben hatte er sich selber beigebracht und das Wissen über Edelsteine sich langsam erarbeitet. Bei vielen Steinen wird durch Erhitzen und Bestrahlung die Farbe verändert. Er zeigte mir Methoden um deren Echtheit zu prüfen. Mit einem kräftigen Strich auf einer rauhen Porzellantafel tut sich die Eigenfarbe kund. Die Strichfarbe der Meisten ist weiß, farblos oder grau. Bei Manipulierten sieht das Ergebnis anders aus. Es gibt nur wenige Ausnahmen bei denen man die bekannte Farbe sieht. Blauer Lapislazuli und grüner Malachit. Bei Rohsteinen ist das ein sehr nützlicher Tipp, aber bei geschliffenen Gemmen sollte man das nicht versuchen. Sollte sich der Stein als echt erweisen hat man dessen Wert erheblich gemindert. Heller, chilenischer und mit Calcit durchsetzter Lapislazuli wird erhitzt um ihn dunkler zu machen. Aber den wertvolleren, dunkelblauen mit Pyrit durchsetzten Stein aus Afghanistan darf man nicht erhitzen, weil dabei das Pyrit zerstört wird. Ram wickelte kleine rote und grüne Turmalinsplitter in Alufolie ein und erhitzte sie mit einem Feuerzeug. Grüne Steine erhielten dabei die begehrte Smaragdfarbe und Rötlichbraune mutierten zu Rubinen.

Sein Sortiment war nicht sehr groß und das meiste Geld verdiente er mit Kommissionen. Schleifer boten ihm in Zeitungspapier gewickelte Preziosen an und mein Freund fand dafür oft einen Abnehmer. Meistens waren es hochkarätige Rubine und Saphire aus Ratnapura in Ceylon. Manchmal stammte das Rohmaterial auch aus berühmten Lagerstätten in Burma oder Thailand. Früher fand man die schönsten Saphire auf einer Höhe von 5000 Metern in Kaschmir. Nach einem erfolgreichen Geschäft lud er mich zu einem Treffen mit Freunden ein. Wir tranken reichlich indischen Whiskey und Bier und ein total besoffener Staatsanwalt fuhr mich auf einem Motorroller zum Hotel. Nach der überstandenen, abenteuerlichen Fahrt gab er mir ein Versprechen.
„Ich werde Dir helfen, wenn Du jemals ein Problem haben solltest. Aber nur einmal!“

Am nächsten Tag unternahm ich einen Ausflug nach Amber. Unterhalb der alten Festung liegt der Maotasee mit seinen wuchernden Wasser Hyacinthen. Sie galten jahrelang als Unkraut weil sie dem Wasser den Sauerstoff entziehen. Doch dann entdeckte man, dass sie das Wasser von Giftstoffen reinigen und nutzt die enthaltenen Proteine der Schwimmpflanze als Kraftfutter für die Viehwirtschaft und Fischzucht.
  Peter Engelhardt

 
 
 

Wasser Hyacinthen


Manche Touristen ließen sich auf Elefanten zur Festung hinaufbefördern und waren erleichert als die Schaukelei ein Ende fand.
  Sehvermögen

 
 
 

Amber Festung
Fotos von Sehvermögen


Sie ist ein eindrucksvolles Beispiel für die herausragende Baukunst der Maharajas, die durch räuberische und grausame Feldzüge zu Macht und Reichtum gelangt waren. Nach dem Verlust ihrer Privilegien wurden einige Paläste zu staatlichen Museen oder zu Luxus-Hotels umfunktioniert, um deren Erhalt zu sichern. Auf dem Lande galten die großen Könige aber immer als Autorität und leiteten Gerichtsverhandlungen. Dabei wurde oft Opium in Flüssigform verteilt um die hitzigen Gemüter zu beruhigen.

Bei Ram kaufte ich Sternrubine und Sternsaphire. Eingeschlossene Rutilnadeln bewirken einen Asterismus mit einem sechsstrahligen Stern, der beim Bewegen des Steins über die Oberfläche hinweggleitet. Imitationen erkennt man daran, dass der Stern statisch bleibt. Außerdem erwarb ich einige Ketten mit blauschimmernden Mondsteinen aus Ceylon und Lapislazuli aus Afghanistan. In den Silberläden besorgte ich mir dafür die passenden Kettenelemente und einige kleine Amulette und Ketten.

In Italien kombinierte ich später eine Lapiskette mit chinesischen Porzellanscherben aus der Ming Dynastie.
 

 
 
 

Lapislazuli mit chinesischen Porzellanscherben


Ende August machte ich mich auf den Weg nach Pakistan. Von Delhi gings mit dem Zug bis Amritsar und mit dem Bus zur Grenze nach Wagah.


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© by Chris De Bié admin: 25.04.2012