Hampi
Das Cafe, von dem mir Ian erzählt hatte lag etwas versteckt im Außenbezirk von Bombay! Ich trank einen Chai und beobachtete aufmerksam und etwas verunsichert das Geschehen. Dann kam der Inhaber zu mir und fragte mich:
"Kann ich Ihnen helfen?"
"Ja, ich suche Moses!"
"Das ist noch etwas zu früh! Kommen Sie in einer Stunde noch mal vorbei! Legen Sie 100 Dollars in Ihren Pass und übergeben ihn unauffällig!"
"Danke, ich wollte auch noch etwas essen!"
"Gegenüber können Sie sehr gut essen! Machen Sie sich keine Sorgen! Das geht in Ordnung! Moses ist immer in weiß gekleidet, wenn er hier herkommt."
"Danke, bis später!"
Nach einer Stunde sah ich ihn und ging rüber. Er begrüsste mich direkt und lud mich zu einem Chai ein.
"Kann ich etwas für Dich tun?"
"Ja!" und gab ihm unauffällig meinen Pass!
"Komm morgen um die gleiche Uhrzeit zurück. Ich bin Moses und habe den Schlüssel zum verheißenden Land!"
Ich konnte kaum schlafen, weil ich immer verunsicherter wurde. Meinen Pass und 100 Dollars hatte ich in fremde Hände gegeben! Aber meine Sorgen erwiesen sich als unbegründet und am nächsten Tag hatte ich meinen Pass mit 3 Monaten Visa zurück! Erleichtert nahm ich das Schiff zurück nach Goa und trank reichlich Portwein.
Von Panaji gings mit dem Bus nach Hampi. Auf halber Strecke gab es eine Reifenpanne und den alten Reifen platzierte man vor der hinteren Bank des Busses. Mein Glück, dort einen Fensterplatz erwischt zu haben, erwies sich als Missgeschick, und ich war froh, als wir endlich nach 12 Stunden in Hospet ankamen. Die 13 km bis Hampi durfte ich direkt hinter dem Fahrersitz genießen.
"Wo ist denn endlich Hampi ?"
fragte einer der müden und ungeduldigen Reisebegleiter. Auf einer Anhöhe sah man endlich links den Krishna Tempel und rechts den Shiva Tempel und wurde belohnt mit einer grandiosen Aussicht auf diesen aussergewöhnlichen Ort.
Hampi Bazaar
Hauptanziehungspunkt sind der Hampi Bazaar und der Vijaya Vittala Tempel Komplex mit seinem Kampfwagen aus Stein.
Kampfwagen aus Stein
Die in Form einer Lotusblume gestalteteten Räder des Wagens sind beweglich und ist eine statische Version des beweglichen Tempel-Kampfwagens.
Vijaya Vittala Tempel
Die Säulen im Inneren des Tempels sind berühmt für ihren Klang den sie erzeugen wenn man auf ihnen klopft.
Vijaya Vittala Tempel II
Der Tunghabhadra River schuf Bananen Plantagen, Reisfelder und Jasmingärten.
Tunghabhadra Fluss
...und die Granitfelsen lieferten das Material für die Tempel, Palastanlagen und die überlebensgrossen Götterstatuen.
Tunghabhadra Fluss II
Ein wahrhaft mystischer Ort, an dem sich auch einige Saddhus zurückgezogen hatten. Mit einem von Ihnen freundete ich mich an und verbrachte die nächsten Tage abseits vom Rest der Welt. Doch die plagenden Mücken veranlassten mich am Ende doch im Dorf ein Quartier zu beziehen. Ich besorgte mir in Hospet ein Moskito-Netz, sodaß ich auch auf meinen täglichen Ausflügen in der wilden Landschaft ungestört übernachten konnte.
Saddhu in Hampi
Fotos von Tabaiba
Mittlerweilen hatte es auch ein paar Dutzend anderer Gleichgesinnter in diese abgeschiedene Gegend verschlagen. Darunter waren ein paar Deutsche, die mit einem Bus unterwegs waren. Und wieder wurde ich beschenkt. Diesmal war es ein LSD-Trip auf Papier. Den hob ich mir für den nächsten Vollmond auf. Ohne den lichtspendenden Mond wollte ich hier nicht auf nächtliche Reise gehen. Und tagsüber wagte ich es mich nicht! Ich wollte ungestört und alleine sein!
Nach Sonnenuntergang brach ich auf, und mein Vermieter warnte mich noch:
"Passen Sie auf sich auf! Hier läuft viel Gesindel herum!"
Ich wanderte durch die mir nicht mehr so unbekannte Landschaft und entdeckte doch immer wieder Neues.
Ich wühlte in der Erde, und überall kamen Relikte aus alten Zeiten zum Vorschein! Ich setzte mich in eine der vielen Tempel-Ruinen, schloss meine Augen und hörte Stimmen....Stimmen von damals...als Hampi noch diese große Stadt war. Es wurde um Land gestritten und Ehen wurden arrangiert und mit geöffneten Augen sah ich die ganze Pracht von damals! Den König, wie er mit Edelsteinen aufgewogen wurde; aber auch die Bauern, die wie Sklaven schuften mussten! Ich konnte sie unbemerkt beobachten und Ihnen zuhören! Und dann hörte ich in weiter Ferne etwas, was hier überhaupt nicht reinzupassen schien! Der Sound eines Didjeridoo schallte durch die Tempel, über die Felder, über und durch die Felsformationen. War ich auf einmal in Australien?.
Das Rätsel wurde nach Sonnenaufgang gelöst! Im Dorf traf ich Ruff, einen Australier mit seinem Instrument.
"Warst Du das heute Nacht?" fragte ich ihn und erzählte von meinen Erlebnissen.
Er sagte nicht viel, aber wir lagen uns lange in den Armen!
19 Jahre später sammelte ich auf einer erneuten Vollmond-Reise in Hampi ein paar Lammwirbelknochen und schuf mit Büffelknochen, Koralle, Rubinen, Augenachat, Silber und Rosshaar das nachfolgende Kunstwerk daraus:
Er fertigte diese konischen und ca.15 cm langen Haschisch-Pfeifen aus 7 verschiedenen Sorten Ton und verzierte sie mit einer Cobra - einem Attribut von Shiva.
Nach jedem Gebrauch reinigt man die Pfeife durch schnelles Reiben an einer stets gespannt zu haltenden Schnur aus gedrehten Baumwollstreifen. Zur völligen Säuberung legt man sie aber auch hin und wieder ins Feuer und seine Kunstwerke bestanden den Feuertest, d.h. sie zerbrachen nicht.
Die Farbe der Chillums nach dieser reinigenden Prozedur ist dann immer Rot mit kleinen schwarzen Streifen. Um ein schönes, einheitliches Schwarz zu bekommen legt man etwas Grünes wie Bananenblätter ins Feuer. Mit ein paar Dutzend wollte er sich am nächsten Tag nach Goa aufmachen. Dort waren sie heissbegehrt und standen hoch im Kurs! Mitnehmen wollte ich kein Chillum, aber ich nutzte die Gelegenheit, eines zu rauchen.
Ich legte den Stein rein und eine Mischung aus meinem Manikaran und Will's Gold Flake. Um das Mundstück wickelte ich ein feuchtes, dünnes Tuch, auch Safi genannt. Das kühlt den Rauch und das auslaufende Kondensat wird aufgesogen. Dann klemmte ich es zwischen den kleinen Finger und dem Ringfinger der rechten Hand. Diese wird so in die Linke gelegt, dass sich zwischen den Händen ein möglichst luftdichter Hohlraum bildet. Gezogen wird an der Öffnung, die die Daumen bilden. So wird verhindert, dass der Safi mit dem Speichel der anderen Raucher in Berührung kommt oder Kondensat über den vollgesogenen Safi in den Mund gelangt.
Total bekifft lief ich durch dieses Wunderland und wieder fixierten mich die leuchtenden Augen eines Schädels. Den kannte ich doch aus Goa und diesmal erschien er als Pirat und mir wurde klar, dass das kein Dämon sondern ein Dämonenschreck ist, der mich beschützen wollte.
Dämonenschreck
Foto von Tabaiba - Dämonenschreck von Chris De Bié
Etwas später freundete ich mich mit einem englischen Päarchen an, die mit ihrem VW Bus auf dem dem Weg zu Bhagwan Shri Rashneesh in Poona waren. Poona war nicht mein Ziel aber es lag auf meinem Weg zurück nach Norden. Deshalb nahm ich ihre Einladung gerne an.