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Amritsar -
Haridwar -
Rishikesh -
Manikaran -
Pushkar
Bombay -
Goa -
Hampi -
Dharamsala -
Gorakhpur
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Bombay
Über Jaipur, wo ich gerne länger geblieben wäre, fuhr ich nach Delhi. Ich nahm mir vor, die Schätze der 'Pink City' später zu erkunden.
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In der Old Delhi Railway Station versuchte wieder einer dieser Ausländerjäger mir ein Ticket zu besorgen. Und die werden ab und zu auch Beute machen, denn die Geduld sich in einer der vielen und endlos langen Schlangen anzustellen, hat nicht jeder. Und wenn man dann endlich an die Reihe kommt, bekommt man grinsend die Auskunft, dass für die nächsten 2 Tage keine Reservierung möglich ist. Und ich wurde auch nicht über das Tourist-Center für Ausländer informiert. Das fand ich dann nach langem Suchen im ersten Stock, und mit Vorlage eines Bankbeleges über den ordnungsgemäßen Umtausch bekam man ein Ticket mit Reservierung für den nächsten Zug. Auch diesmal brauchte ich nur ein paar Stunden warten, die ich zu einem Reis mit Alu Gobi (Kartoffeln und Blumenkohl) nutzte. Indien ist ein Paradies für Vegetarier. Sämtliche großen Restaurants sind streng getrennt zwischen Vegetarier und Nicht-Vegetarier. Kein Wunder, wenn man bedenkt, daß mehr oder weniger die Hälfte der Bevölkerung kein Fleisch ist. Als Lektüre für die lange Reise kaufte ich mir eine "India Times".
Es herrschte ein riesiges Gedränge beim Ein- und Aussteigen. Große Lasten wurden durchs Fenster gereicht, einige Leute stiegen sogar durchs Fenster ein. Glücklicherweise hatte ich einen einzelnen Fensterplatz ergattert, und nachdem ich mein Gepäck verstaut hatte, gönnte ich mir noch ein Choley Bhature (Bohnen mit einem kleinen frittierten Hefebrot) und einen Chai auf dem Bahnsteig. Als ich zurückkam war mein Platz von einem geistig-behinderten Jungen besetzt. Es brauchte einige Überzeugungskraft seines Vaters, um ihn zu sich auf seinen Platz auf der Bank zurück zu holen.
Ich las einen Bericht über den Stamm der Muria, die in den Wäldern Zentral-Indiens entlang des Indrawati River, in Madhya Pradesh, leben. Sie sind bekannt für ihre Ghotuls, die der Legende nach von der phallischen Gottheit, Lingo Pen, begründet wurden. Er war ein ausgezeichneter Musiker und lehrte den Jungen das Trommelspiel. Ein Sprichwort der Murias sagt:
"Wer eine Trommel schlagen kann, der weiß, wie man eine Frau liebt."
Jungen und Mädchen leben ohne Erwachsene im Ghotul zusammen. Jedes Kind älter als sechs Jahre ist automatisch Mitglied. Sie lernen Eifersucht zu überwinden und entwickeln Güte, Mitgefühl und Gemeinschaftssinn. Liebe vereint die Mitglieder des Stammes und hält sie in guter Stimmung, ohne den geringsten Hauch von Besitzdenken. Es herrscht völlige sexuelle Freiheit bis zur Ehe. Die Sexualpartner werden im Turnus gewechselt, und ein Junge wird mit einer Geldstrafe belegt, wenn er mit dem gleichen Mädchen mehr als drei Mal in Folge schläft. Für die Jüngsten gibt es eine Initations-Zeremonie mit einer Penis-Einführung in einen eingeschmierten gespaltenen Zweig. Verheiratete sind nicht berechtigt, diesen heiligen Ort zu betreten und 'Lingo Pen' bewacht diesen sündenfreien Raum und verhindert das Eindringen von Hexen und Dämonen.
Es wird viel gesungen, getanzt und erzählt. Die meisten der Tänze sind sexuell provozierend. Einen nennt man 'Hulki' oder Schlangentanz, wobei die Jungen sich im Kreis bewegen, während die Mädchen ihren Weg durchkreuzen. Und danach beginnen die Jungen und Mädchen mit der Paarung. Doch die endgültige Entscheidung über die Paarung unterliegt den Anführern. Sie sorgen dafür, dass nicht nur die Romantik, sondern auch die Pflicht ein Element der Paarung ist. So umgeht man auch nicht die physisch nicht so attraktiven, sondern gibt ihnen die gleichberechtigte Chance dieses demokratische Ghotul zu genießen. Romantische Verbindungen führen oft zu vielen Verbrechen und die Murias haben das erfolgreich vermieden in ihrem Stamm. Es ist ein "Königreich der Unverheirateten ", wie es in einem Volkslied der Muria genannt wird. Paradiesische Zustände, in denen ich gerne meine Unschuld verloren hätte.
An mir rollten die mannigfaltigen Landschaften Indiens vorbei...
an den Bahnschranken die ungeduldig wartenden Bauern mit ihren Ochsenkarren, vollbeladene Fahrradfahrer und natürlich die 'Public Carrierer', LKW's die meistens von Sikkhs gesteuert wurden. In meiner Nähe saß ein chantender Brahmane, und ein flötenspielender Krüppel versuchte ein paar Paisas zu erspielen. Der Ärmste bewegte sich auf seinen Kniespümpfen, und sein trauriges Flötenspiel ließ mich lange nachsinnen.
Bombay kündigte sich mich seinen endlosen Slums entlang der Eisenbahnlinie an. Sumpfgelände, das von den Siedlern mit Eigeninitiative entwässert wurde, in der Monsunzeit allerdings wieder im Schlamm versinkt. Einige hatten sich ihr Zuhause zwischen den Gleisen der Vorort-Bahnhöfe eingerichtet. Das war wahrlich nicht die schlechteste Lösung. Zumindest war es hier trocken, und deshalb bestimmt nicht kostenlos. Ich konnte in ihr Wohnzimmer sehen. Hier wurden Kinder gezeugt und deren Kinder. Wie privilegiert war ich doch. Noch. Zumindest solange ich Geld und Pass besaß. Die Ärmsten hätten wahrscheinlich gerne mit mir getauscht. Eine deutsche Gefängniszelle ist komfortabler.
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Sehvermögen
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Gateway of India
Foto von Tabaiba
In Colaba, in der Nähe des 'Gateway of India', dem monumentalen Tor aus gelben Basalt, durch das früher die Passagiere der Dampfer aus Europa ihren ersten Fuß auf den Subkontinent setzten, und des nicht minder monumentalen und berühmten 'Taj Mahal Palace' mietete ich mich in einem der vielen 'Low budgets' - Hotels ein. Wahrscheinlich nirgendwo sonst weltweit berühren sich die Welt der Armen und die der unermesslich Reichen so dicht, wie auf dem Platz zwischen Tor und "Taj-Mahal-Hotel". Auf der einen Straßenseite hausen Kompanien von Bettlern, Schuhputzern und umherziehenden Händlern, auf der anderen Seite fahren die schweren Karossen der indischen Multimillionäre, der Maharajas, der ausländischen Diplomaten und der indischen Politiker und Beamten vor.
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Tabaiba
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Ich hatte das Glück, eine der begehrten Schiffsticktets zu ergattern und wieder war ich inmitten einer Welle von Gleichgesinnten. Und die Welle nahm ihren Weg entlang nach Goa. Nachdem das Schiff abgelegt hatte, wunderte ich mich, dass die Inder begannen wie auf Kommando zu trinken. Und sie tranken sehr viel. Ich erfuhr, daß man in Indien ein Drinking-Permit brauchte, um legal Alkohol kaufen zu können. Dieses Permit war nicht billig. Nur in Goa, als ehemalige portugiesische Kolonie, benötigte man keins. Und sofort nach dem Ablegen galten die Gesetze von Goa. Es gab indischen Rum und Whiskey, aber auch Portwein. Nach ein Paar Gläsern von dem süßen Wein ging mir wieder das Flötenspiels des Krüppels und die Murias in ihrem Ghotul durch den Kopf. Ich drehte mir einen kleinen Joint mit meinem 'Manikaran', den ich, mehr oder weniger unbemerkt, genüßlich an der Reeling rauchte.
Unter mir sah ich in den Bewegungen des Wassers eine Spiegelung:
Ein Torwächter schützte eine Pforte gegen unerwünschte Dämonen und eine schöne Tänzerin verschaffte mir Einlass mit ihren stampfenden Füßen und ihren verzückenden Gesten.
"Erde! Hier sind meine Augen, meine Tore zu meiner Seele -
mein Tanz ist mein Gebet - vergib mir mein Getrampel",
schien sie zu singen und erzählte von einer Biene, die dem verlockendem Duft des süßen Nektars der Lotosblume nicht widerstehen konnte. Und ich sah meine beiden Seiten:
Meine emotionale und meine rationale - weiche und harte -
schwache und starke - weibliche und männliche.
Soll ich der süßen Versuchung widerstehen obwohl der Verstand seine Bedenken äußert oder soll ich rationales Verständnis den Gefühlen opfern? So wie ich Joe nicht widerstehen konnte, obwohl ich ahnte, dass er falsch war und ich mich auf ein gefährliches Abenteuer eingelassen hatte. Auch hatte ich nicht der Versuchung des Geldes widerstehen können. Wäre ich doch früher aufgebrochen mit meiner geliebten Teresa und ihren beiden Kindern. Aber die Mädchen störten mein Liebesglück, und ich war nicht bereit für ein Familienleben. Mit ihnen zusammen hätte ich als freier und reicher Mann reisen können!
Ich wurde hin- und hergerissen zwischen Gefühl und Verstand.
"Welche Maske soll ich heute tragen"?
hallte meine Frage in den Raum. Meine Vermittlerin spielte und flirtete. Sie opferte Blumen, um Hindernisse auf meinem Weg zu beseitigen bis ich die Antwort bekam:
"Denke mit Deinem Herzen und fühle mit Deinem Verstand"!
Es war wie eine Erleuchtung.
Und meine Botin tanzte zur Bestätigung durch mein drittes Auge.
Ich konnte nicht schlafen, und teilte mit anderen Reisegefährten den wunderschönen Anblick der endlosen von Kokosnusspalmen gesäumten Strände mit ihren fleißigen Fischern in der Morgendämmerung.
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